Ratgeber für Patienten
Sichere Versorgung bei chronischen Erkrankungen: Worauf es im Alltag wirklich ankommt
Zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September 2026 haben Ärzte ohne Grenzen (MSF) und das FOCOS Hospital in Accra auf die Risiken aufmerksam gemacht, die entstehen, wenn die Versorgung chronisch Kranker unterbrochen wird.

Das Motto lautete "Safe Care for Non-Communicable Diseases" – sichere Versorgung für Menschen mit nicht übertragbaren Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs und chronischen Atemwegserkrankungen. Für Patientinnen und Patienten in Deutschland heißt das: Versorgungssicherheit entsteht nicht von selbst, sondern an den Übergängen – zwischen Hausarzt, Facharzt, Apotheke, Labor und Klinik.
Die Zahlen aus den Hilfseinsätzen
MSF hat nach eigenen Angaben im Jahr 2025 rund 264.711 medizinische Konsultationen für Menschen mit Bluthochdruck und 219.982 Konsultationen für Menschen mit Diabetes durchgeführt – vor allem in Konfliktregionen und Krisengebieten. In einer Spezialklinik für Kinder mit Typ-1-Diabetes in Kairo betreut die Organisation gemeinsam mit der Ibrahim A. Badran Charitable Foundation über 200 Kinder. Das Programm steht auf vier Säulen: sichere Kühlkette und Insulin-Transport, Schulung der Familien, umfassende medizinische und psychosoziale Betreuung sowie operative Sicherheit durch Dokumentenprüfungen, Audits und klare Überweisungswege.
Die Übersetzung für den Alltag hierzulande ist einfach: Eine chronische Erkrankung braucht Regelmäßigkeit. Schon kleine Unterbrechungen können laut MSF zu schweren Komplikationen führen – etwa wenn ein Rezept fehlt, ein Laborwert nicht ankommt oder ein Nachsorgetermin verschoben wird. "Patientensicherheit ist besonders wichtig für Menschen mit nicht übertragbaren Krankheiten, weil diese Erkrankungen langfristige, regelmäßige und präzise Versorgung erfordern", sagt Belal Hussein Mohamed, Pflegeteamleiter bei MSF im Sudan.
Wo Versorgung im Alltag reißt
Der Leiter der Orthopädie am FOCOS Hospital, Dr. Arthur Sackeyfio, hat bei der Podiumsdiskussion zum Welttag betont: Patientensicherheit ist keine Aufgabe einer einzelnen Abteilung, sondern gemeinsame Verantwortung – von der Aufnahme über Diagnostik und Medikation bis zur Entlassung und Nachsorge. Jeder Übergang, ob in das Labor, die Apotheke, die Bildgebung oder die stationäre Aufnahme, sei eine Chance, die Sicherheit zu stärken – oder zu untergraben.
Konkret nennt er sechs Bereiche: korrekte Diagnose und saubere Ersteinschätzung, sichere Medikamentenpraxis (Dosis, Wechselwirkungen, Doppeleinnahme), angemessenes Monitoring, klare Übergaben, vollständige Dokumentation und konsequentes Follow-up. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In der Realität gehen Befunde verloren, Patientinnen verschweigen ein Präparat, Termine werden ohne Rückmeldung verschoben. Genau dort entstehen die vermeidbaren Risiken, die der Welttag adressiert.
Was Sie selbst in der Hand haben
Patientensicherheit funktioniert nur, wenn Betroffene mitmachen. Wer seine Medikamentenliste aktuell hält, Befunde mitbringt und bei Unklarheiten nachfragt, entlastet das System – und sich selbst. Vor dem nächsten Arztbesuch lohnt sich ein kurzer Check: aktuelle Medikamente auflisten, Allergien und Vorerkrankungen nennen, Laborwerte der letzten Monate mitnehmen, konkrete Fragen notieren.
Warnsignale, die Sie ernst nehmen sollten: ein unerwarteter Befund ohne Erklärung, eine Dosisänderung ohne Begründung, ein verschwundener Termin ohne Rückmeldung, ein neues Präparat ohne Wechselwirkungs-Check. Ergänzungen und nicht verschriebene Mittel immer ansprechen – was nicht belegt ist, bleibt nicht belegt, auch wenn Werbung oder Internet etwas anderes erzählen. Bei chronischen Erkrankungen ist Sorgfalt kein Misstrauen, sondern Selbstschutz.