Ratgeber für Patienten
Blutdrucksenker: Warum Betablocker oft zum Abbruch der Therapie führen
Wie das Hamburger Abendblatt unter Berufung auf den Kardiologen Philipp Stawowy vom Deutschen Herzzentrum der Charité berichtet, führen Betablocker unter den Blutdrucksenkern überdurchschnittlich…

Wie das Hamburger Abendblatt unter Berufung auf den Kardiologen Philipp Stawowy vom Deutschen Herzzentrum der Charité berichtet, führen Betablocker unter den Blutdrucksenkern überdurchschnittlich häufig zu Therapieabbrüchen. Studien wiesen zudem darauf hin, dass diese Wirkstoffgruppe Depressionen begünstigen könne. Für Patientinnen und Patienten mit chronischem Bluthochdruck ist das eine relevante Information – immerhin ist die Medikamenteneinnahme bei Hypertonie in der Regel eine lebenslange Angelegenheit.
Warum gerade Betablocker zur Diskussion stehen
Stawowy ordnet das Thema klar ein: Nebenwirkungen sind bei Blutdrucksenkern grundsätzlich selten. Bei Medikamenten älterer Generation könnten tatsächlich seltene Nebenwirkungen wie Depression, verstärkter Haarwuchs im Gesicht oder Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel auftreten – diese sogenannten Reservemittel kommen heute aber nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz, etwa wenn trotz mehrerer Präparate keine ausreichende Senkung gelingt. Fakt ist: Betablocker stehen trotzdem immer wieder am Pranger, weil Patientinnen und Patienten sie häufiger absetzen als andere Wirkstoffgruppen. Genau hier entscheidet sich, ob eine Therapie langfristig trägt.
Was moderne Therapien anders machen
Anders sieht es laut Stawowy bei modernen Blutdrucksenkern aus: „Moderne Blutdrucksenker sind in aller Regel sehr gut verträglich." Das liege nicht nur an den Substanzen selbst, sondern auch an der Art, wie heute kombiniert werde. „So muss man einzelne Medikamente in der Regel nicht bis zur Maximaldosis hochdosieren und geht den Bluthochdruck von mehreren Seiten an. Die Kombinationstherapie hilft damit, den Blutdruck besser zu senken und Nebenwirkungen zu vermeiden." Zusätzlich werde die Dosis in der Regel schrittweise erhöht – denn eine zu rasche Blutdrucksenkung kann Schwindel auslösen. Ziel sei ein Absenken über drei bis vier Wochen. Neben der Medikation zählt auch das, was Betroffene selbst in der Hand haben.
Worauf Sie beim Messen und beim Arzt achten können
Klartext zur Diagnose: Die Schwelle für eine Behandlung liegt in der Arztpraxis bei 140/90 mmHg, gemessen an zwei verschiedenen Zeitpunkten. Für Frauen gelten andere Normwerte. Bei der Heimmessung ist die Grenze bereits bei 135/85 mmHg erreicht – vorausgesetzt, das Gerät arbeitet präzise. Wer hier mit einem ungenauen Messgerät misst, riskiert Fehlentscheidungen nach oben oder unten.
Was die nicht-medikamentöse Seite angeht, liefert eine neue Auswertung von 87 klinischen Studien, veröffentlicht im European Heart Journal, konkrete Zahlen: Wer täglich rund 60 bis 100 Gramm Vollkornprodukte isst – etwa vier bis sechs Portionen –, kann demnach Körpergewicht, Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker günstig beeinflussen. Die Studienleiterin Dr. Helda Tutunchi von der Tabriz University of Medical Sciences spricht von einer einfachen, zugänglichen und kostengünstigen Strategie, die andere Maßnahmen ergänzt. Einschränkend: Die meisten ausgewerteten Studien liefen im Schnitt nur etwa acht Wochen – Langzeitdaten fehlen bislang.
Woran Sie beim nächsten Praxisbesuch denken sollten:
- Welche Wirkstoffgruppe habe ich verschrieben bekommen – und gehört sie zur modernen Generation?
- Wird die Dosis schrittweise gesteigert, um Schwindel zu vermeiden?
- Wurde mein Blutdruck an mindestens zwei Zeitpunkten in der Praxis gemessen?
- Stimmt mein Heim-Messgerät, und halte ich die Messregeln ein (Ruhephase, Sitzposition, Vergleich beider Arme)?
- Welche Lebensstilfaktoren – Ernährung, Bewegung, Gewicht – kann ich zusätzlich anpacken?